Nach sieben Monaten sich wieder in die Arme nehmen zu können ist was ganz besonderes. Das Gefühl Carolin am Flughafen auf mich zukommen zu sehen war genial.
Mir ihr kam ein Stück deutsche Heimat nach Äthiopien.
Dass Sie die Reise nach Äthiopien alleine auf sich genommen hat finde ich sehr bewundernswert, denn zwei Wochen in diesem Land sind nicht mit einem Kurzurlaub zu vergleichen.
In unserer gemeinsamen Zeit hatten wir viele besondere, einzigartige und unvergessliche Momente.
Ich habe versucht Carolin meinen Alltag so gut es geht nahe zu bringen und sie mit den Menschen in meinem Umfeld und deren Kultur vertraut zu machen.
Wir waren zusammen bei der Arbeit, auf dem Markt, im Museum, der Kirch, etc. . So konnte Sie von allem ein wenig erleben.
Ausflug in den Osten
Gemeinsam ging es für vier Tage in den Osten.
Unsere erste Nacht verbrachen wir in Harar. Eine große Stadt deren Kern durch eine wunderschöne Altstadt geprägt ist. Wenn man durch eins der Tore diesen Stadtteil betritt bekommt man fast das Gefühl in Griechenland zu sein.
Die Stadt besteht aus über 300 kleinen Gassen die mit einem Auto nicht befahren werden können. Die Hausmauern rechts und links sind farbenfroh angemalt und verzieht und geben einem das Gefühl von Geborgenheit.
Während unseres zweitägigen Aufenthalts in Harar und Dire Dawa hat uns fast keine angesprochen oder etwas nachgerufen, ich konnte es kaum fassen. Die Menschen haben einen freundlich angelächelt oder etwas beschämt auf den Boden geschaut.
So etwas habe ich in den letzten sieben Monaten noch nicht erlebt.
Die Stadt liegt nahe am Sudan, was sich an den vielen farbenfrohen Gewändern der Muslime zeigt.
Dire Dawa der Industriestadt die unterhalb von Harar liegt ist es genau so farbenfroh und friedlich.
Hier hatten wir die Möglichkeit den stillgelegten Bahnhof zu besuchen. Die Zugstrecke verläuft von Djibouti nach Addis Abeba und hat, bis zu der Silllegung vor zwei Jahren, die Frachten der Schiffe in die Hauptstadt transportiert.
Als das führende Unternehmen vor zwei Jahren bankrottging wurde der Bahnverkehr stillgelegt.
Hier im Osten besitzt jeder der es sich leisten kann ein oder mehrere Kamele die als Transportmittel verwendet werden.
Carolin und ich hatten die Möglichkeit in einem (momentan) ausgetrockneten Flussbett einen Kamel Mark zu sehen. Für ca. 15000 Birr (=650€) kann man sich ein Kamel kaufen.
Dire Dawa sowie Harar werden nachts von den Hyänen beherrscht, die die Städte sauber halten laut der Einheimischen. Die Städte sind richtig sauber, da haben sie Recht. Kein Vergleich zu Addis Abeba.
Zum krönenden Abschluss waren wir, nach Einbruch der Dunkelheit, bei einer Hyänenfütterung mit dabei. Auch ich habe es gewagt die hungrigen Tiere, mit einem sehr außergewöhnlichen Körperbau, zu füttern.
Der Besucht im Awash National Park war leider etwas enttäuschend, da wir fast keine Tiere sehen konnten. Doch die Landschaft rechts und links der Wege ist atemberaubend schön.
Ostern – Fasika
In diesem Land ticken nicht nur die Uhren anders. Aufgrund der anderen Zeitrechnung fand das Osterfest in Äthiopien diese Jahr eine Woche nach unserem Fest statt.
Für die Kindergartenkinder und deren Familien haben wir ein kleines Programm zusammengestellt. Die Kinder haben vorgeführt was sie in der letzten Zeit gelernt haben und in einer Gesprächsrunde konnten die Eltern alles vorbringen was ihnen auf dem Herzen liegt.
Carolin, Noelle und Ich haben die Kinder durch Kinderschminken zum Lachen gebracht. Am Schluss hatten wir 20 stolz bemalte Kids auf dem Compound.
Leider war Carolin am richtigen Osterfest nicht mehr da.
Sech Stunden lang waren wir, in der Nacht auf Ostersonntag, in der orthodoxen Kirche. Es wurde gebetet, gesungen, geklatscht und geschlafen.
Der klare Sternenhimmel, Männer, Frauen und Kinder in weiße Gewänder und Tücher gehüllt mit brennenden Dochten in der Hand, die Rhythmen die auf den Trommeln geschlafen wurden und der Gesang haben die Kirche und deren Hof in eine unbeschreibliche Stimmung verwandelt.
Das Ende des Gottesdienstes und damit auch das Ende der längsten Fastenzeit wurde mit drei Schüssen eingeleitet.
Danach gehen die Familien Heim und fangen an die Tiere zu schlachten und zu zubereiten. Ich war sehr froh dass ich erst einmal Heim durfte und etwas schlafen konnte.
Sobald das Fleisch zubereitet ist geht es los – das große Essen. Fleisch, Ei und Injera gibt es all must. Es wird gegessen, getrunken, getanzt, gegessen, getrunken und getanzt,…
Jeder der es sich leisten kann isst so viel Fleisch wie er kann. Doch nach einer lange Fastenzeit, bei der auf Tierprodukte vollkommen verzichtet wird, verträgt der Körper die Mengen, im Fett zubereitete, Fleisch nicht immer sehr gut. Um alles für den Magen verträglicher zu machen gibt es jede Menge verschiedenen Alkohol. Dieses plötzlich „neue“ Essverhalten führt oft dazu dass in der kommenden Woche viele anstatt auf der Arbeit im Krankenhaus erscheinen. Doch das hindert niemand daran sich jedes Jahr aufs Neue den Magen voll zu schlagen.
Noelle und ich wurden zum Osteressen zu Mihirets Schwester eingeladen. Dort wartete auch schon ein Berg Fleisch und Injera auf uns. Mit Müh und Not haben wir unsere Portionen leer essen können. Doch auch unser Körper ist so viel Fleisch und Fett nicht mehr gewohnt, dass haben wir zu spüren bekommen.
Montag nach dem Osterfest ist kein einziger Schüler zum Unterricht erschienen und wir konnten mit allen Kollegen einen gemütlichen Morgen verbringen.