Besuch aus Deutschland

Nach sieben Monaten sich wieder in die Arme nehmen zu können ist was ganz besonderes. Das Gefühl Carolin am Flughafen auf mich zukommen zu sehen war genial.
Mir ihr kam ein Stück deutsche Heimat nach Äthiopien.

Dass Sie die Reise nach Äthiopien alleine auf sich genommen hat finde ich sehr bewundernswert, denn zwei Wochen in diesem Land sind nicht mit einem Kurzurlaub zu vergleichen.
In unserer gemeinsamen Zeit hatten wir viele besondere, einzigartige und unvergessliche Momente.
Ich habe versucht Carolin meinen Alltag so gut es geht nahe zu bringen und sie mit den Menschen in meinem Umfeld und deren Kultur vertraut zu machen.

Wir waren zusammen bei der Arbeit, auf dem Markt, im Museum, der Kirch, etc. .  So konnte Sie von allem ein wenig erleben.

Ausflug in den Osten
Gemeinsam ging es für vier Tage in den Osten.
Unsere erste Nacht verbrachen wir in Harar. Eine große Stadt deren Kern durch eine wunderschöne Altstadt geprägt ist. Wenn man durch eins der Tore diesen Stadtteil betritt bekommt man fast das Gefühl in Griechenland zu sein.
Die Stadt besteht aus über 300 kleinen Gassen die mit einem Auto nicht befahren werden können. Die Hausmauern rechts und links sind farbenfroh angemalt und verzieht und geben einem das Gefühl von Geborgenheit.
Während unseres zweitägigen Aufenthalts in  Harar und Dire Dawa hat uns fast keine angesprochen oder etwas nachgerufen, ich konnte es kaum fassen.  Die Menschen haben einen freundlich angelächelt oder etwas beschämt auf den Boden geschaut.
So etwas habe ich in den letzten sieben Monaten noch nicht erlebt.
Die Stadt liegt nahe am Sudan, was sich an den vielen farbenfrohen Gewändern der Muslime zeigt.

Dire Dawa der Industriestadt  die unterhalb von Harar liegt ist es genau so farbenfroh und friedlich.
Hier hatten wir die Möglichkeit den stillgelegten Bahnhof zu besuchen. Die Zugstrecke verläuft von Djibouti nach Addis Abeba und hat, bis zu der Silllegung vor zwei Jahren, die Frachten der Schiffe in die Hauptstadt transportiert.
Als das führende Unternehmen vor zwei Jahren bankrottging wurde der Bahnverkehr stillgelegt.

Hier im Osten besitzt jeder der es sich leisten kann ein oder mehrere Kamele die als Transportmittel verwendet werden.
Carolin und ich hatten die Möglichkeit in einem (momentan) ausgetrockneten Flussbett einen Kamel Mark zu sehen. Für ca. 15000 Birr (=650€) kann man sich ein Kamel kaufen.

Dire Dawa sowie Harar werden nachts von den Hyänen beherrscht, die die Städte sauber halten laut der Einheimischen. Die Städte sind richtig sauber, da haben sie Recht. Kein Vergleich zu Addis Abeba.
Zum krönenden Abschluss waren wir, nach Einbruch der Dunkelheit, bei einer Hyänenfütterung mit dabei. Auch ich habe es gewagt die hungrigen Tiere, mit einem sehr außergewöhnlichen Körperbau, zu füttern.

Der Besucht im Awash National Park war leider etwas enttäuschend, da wir fast keine Tiere sehen konnten. Doch die Landschaft rechts und links der Wege ist atemberaubend schön.

Ostern – Fasika

In diesem Land ticken nicht nur die Uhren anders. Aufgrund der anderen Zeitrechnung fand das Osterfest in Äthiopien diese Jahr eine Woche nach unserem Fest statt.
Für die Kindergartenkinder und deren Familien haben wir ein kleines Programm zusammengestellt. Die Kinder haben vorgeführt was sie in der letzten Zeit gelernt haben und in einer Gesprächsrunde konnten die Eltern alles vorbringen was ihnen auf dem Herzen liegt.
Carolin, Noelle und Ich haben die Kinder durch Kinderschminken zum Lachen gebracht. Am Schluss hatten wir 20 stolz bemalte Kids auf dem Compound.

Leider war Carolin am richtigen Osterfest nicht mehr da.
Sech Stunden lang waren wir, in der Nacht auf Ostersonntag, in der orthodoxen Kirche. Es wurde gebetet, gesungen, geklatscht und geschlafen.
Der klare Sternenhimmel, Männer, Frauen und Kinder in weiße Gewänder und Tücher gehüllt mit brennenden Dochten in der  Hand, die Rhythmen die auf den Trommeln geschlafen wurden und der Gesang haben die Kirche und deren Hof in eine unbeschreibliche Stimmung verwandelt.
Das Ende des Gottesdienstes und damit auch das Ende der längsten Fastenzeit  wurde mit drei Schüssen eingeleitet.
Danach gehen die Familien Heim und fangen an die Tiere zu schlachten und zu zubereiten. Ich war sehr froh dass ich erst einmal Heim durfte und etwas schlafen konnte.
Sobald das Fleisch zubereitet ist geht es los – das große Essen. Fleisch, Ei und Injera gibt es all must. Es wird gegessen, getrunken, getanzt, gegessen, getrunken und getanzt,…
Jeder der es sich leisten kann isst so viel Fleisch wie er kann. Doch nach einer lange Fastenzeit, bei der auf Tierprodukte vollkommen verzichtet wird, verträgt der Körper die Mengen, im Fett zubereitete, Fleisch nicht immer sehr gut. Um alles für den Magen verträglicher zu machen gibt es jede Menge verschiedenen Alkohol.  Dieses plötzlich „neue“ Essverhalten führt oft dazu dass in der kommenden Woche viele anstatt auf der Arbeit im Krankenhaus erscheinen. Doch das hindert niemand daran sich jedes Jahr aufs Neue den Magen voll zu schlagen.

Noelle und ich wurden zum Osteressen zu Mihirets Schwester eingeladen. Dort wartete auch schon ein Berg Fleisch und Injera auf uns. Mit Müh und Not haben wir unsere Portionen leer essen können. Doch auch unser Körper ist so viel Fleisch und Fett nicht mehr gewohnt, dass haben wir zu spüren bekommen.

Montag nach dem Osterfest ist kein einziger Schüler zum Unterricht erschienen und wir konnten mit allen Kollegen einen gemütlichen Morgen verbringen.

Besuch vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg (ejw)

Ende Februar bekamen Noelle und ich Besuch von fünf Mitarbeitern des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (unsere Entsendeorganisation).
Es war toll Ihnen unseren Alltag und unsere Arbeit zu zeigen und gemeinsam Zeit zu verbringen.
Wir bekamen die Chance zu anderen Einrichtungen des YMCAs, im Süden Äthiopiens, mitzufahren und deren Arbeit kennenzulernen.  Ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzten die verschiedenen YMCAs. Dass ist toll, denn somit können alle voneinander lernen. Auch ich habe viele Anregungen mitgenommen um sie in unserem Center anzusprechen.

Als wir in Wolayta waren, wussten wir nicht wo das Gelände des YMCA ist. Die Organisation muss dort tolle Arbeit leisten, denn die jungen Menschen auf der Straße die wir nach dem Weg gefragt haben konnten uns sofort sagen wo es hin geht.

Mit unserer großen lustigen Truppe wurde es nicht langweilig. Nach unserem Kurztrip in den Süden hatten wir noch ein paar Tage gemeinsam in Addis um über die momentane Situation zu sprechen und uns über alles auszutauschen.

Am letzten Abend, vor deren Abreise, haben wir gemeinsam Mihirets (unsere Mitbewohnerin) Geburtstag gefeiert und den Abend mit Gitarre und Gesang ausklingen lasse.

Ab in den Süden

Heiße Temperaturen – weite unbebaute Landstriche – unbefestigte Straßen – Steppen – Eselwagen – Pferdekutschen – unterschiedliche Sprachen – Bauern und Felder – außergewöhnliche Pflanzen all das und vieles mehr erwartet einen wenn man Addis Abeba in Richtung Süden verlässt.

An einem Sonntagmorgen haben Noelle, Vivian und ich unsere Rucksäcke in den Kofferraum eines super Geländewagens geschmissen und es uns auf den Sitzen bequem gemacht. Mit diesem Auto und unseren drei männlichen Begleitern (Fahrer, Tour guide und ein Arbeitskollege) konnte unsere Tour bedenkenlos beginnen. Kaum kommt man aus der Hauptstadt Äthiopiens heraus merkt man, wie dreckig, laut und lebendig die Stadt doch ist. Die frische Luft die durch das Fenster weht und die Ruhe der Natur haben wir in Addis sehr vermisst. Jetzt heißt es acht Tage genießen und genug Frischluft und Ruhe für die nächsten Monate mitzunehmen.

Schon auf dem Weg zu unserem ersten Ziel (der Langanosee) hatten wir die Chance eine vorbeiziehende Kamelherde und Geier die sich an einem toten Kamel zu schaffen machten zu beobachten. Ein kurzer Halt ermöglichte es uns einen Verarbeitungsschritt des Teffs (Mehl welches zum Injerabacken verwendet wird) mitzuerleben (siehe Bilder). Ochsen werden über die geschnittenen Getreidehalme, im Kreis, getrieben sodass sich die Kerne vom Halm trennen. Danach wird das Stroh mit einer Gabel aufgeschüttelt und trennt sich dabei vom Kern. Das Stroh wird aufgetürmt und später zur Viehfütterung verwendet. Fährt man durch die Landschaft kann man rechts und links des Weges diese Strohhaufen sehen, welche ein tolles Bild abgeben.
Einen zweiten Zwischenstopp legten wir am See Zeway ein. Dort gibt es ein Projekt, das jungen Menschen die Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen. Sie dürfen an einer bestimmten Stelle des Sees fischen und die Fische verkaufsfertig zubereiten. Alle arbeiten zusammen. Die Einen sind im Wasser und fangen Fische, sie stehen auf zusammengebundenen Holzbalken und werfen die Fische mit einem Speer ab. Die Anderen entfernen die Innereien der Tiere (zur Freunde der Vögel) und wiederum Andere helfen den Jüngeren bei den ersten Versuchen auf dem „Boot“ zu stehen und Fische zu fangen.
Am Abend hatten auch wir die Möglichkeit ins Wasser zu gehen und einige Bahnen im See Langano zu schwimmen, dem einzigen billharziosefreien See in Äthiopien. Darauf musste ich nun ein halbes Jahr verzichten, was dies Erlebnis noch besonderer machte.

Die nächsten Tage brachten viel Aufregendes mit sich. Wir besuchten einen wunderschönen Markt dessen bunte Farben nicht auf dem Foto sondern nur im Kopf festgehalten werden können. Danach durften wir uns das Innere eines Elefantenhauses (siehe Bilder) ansehen, welches typisch für die Awasha-Region ist. Die Besitzerin hat uns Kotsho zubereitet. Das alltägliche Essen dieser Bevölkerung.
Der Teig wird aus den Fasern des falschen Bananenbaums gewonnen, muss drei Monate unter der Erde liegen, immer wieder bearbeitet und kann dann erst über dem Feuer zubereitet werden (siehe Bilder).
Die Familie lebt auf kleinstem Raum zusammen. Die Tiere und die Familie schlafen in einem Haus unter anderem auch um sich gegenseitig zu wärmen.

Je tiefer man in den Süden kommt, desto heißer und trockener wird die Luft. Dem Klima passen sich die Menschen mit dem Hausbau an. Die Häuser werden nicht mehr vollständig aus einem Holz-Lehm-Gerüßt gebaut, wie es im mediterranen Klima gemacht wird, sondern fast nur noch aus Holz. Somit kommt Wind ins Hausinnere und hält die Hütten angenehm kühl.

Auf der einzigen befestigten Straße sieht man die verschiedensten Transportmittel an sich vorbeiziehen. Super schnelle Geländewagen, große Lastentransporte und total überfüllte Eselwagen. Viele Kinder springen auf die Straße wenn ein Auto angefahren kommt und zeigen ihr akrobatisches Können oder ihre traditionellen Tänze. Natürlich erhoffen sie sich was davon, doch es wäre unmöglich ständig anzuhalten. Mit einer leeren Wasserflasche kann man hier viele glücklich machen, damit können Wasser, Milch oder andere Flüssigkeiten transportiert werden.
Vom schnellen Fahren halten einen nicht nur Kinder ab, die auf die Straße rennen, sondern auch riesen große Kuh- und Ziegenherden. Besonders früh am Morgen und vor Einbruch der Dunkelheit überqueren die Herden die Straßen. Zwar gibt es keinen großen Verkehr geschweige denn Ampeln, dafür sind die Tiere für ein „Stop and Go“ vorrankommen verantwortlich.

Wir hatten die Möglichkeit die verschiedensten Völkergruppen zu kennen zu lernen. Das hört sich nun für die Meisten sicher toll und super spannend an, für uns zu Beginn auch. Nachdem wir das erste Dorf besucht hatten war keinem von uns mehr Wohl. Es ist sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Völker ihre Dörfer aufbauen, mit welchen Regeln und Sitten sie leben, wie die Gemeinschaft zusammenhält und wie sie ihr Leben meistern.
Doch als es daran ging die Menschen zu „betrachten“ hörte mein Interesse auf. Was tun wir hier eigentlich? Als der Aufpasser eines Dorfes uns den Betrag für die „Besichtigung des Dorfes“ sagte fügte er hinzu, dass dies auch alle Art von Fotos beinhaltet. Wenn uns ein Bewohner zu verstehen geben sollte, dass er oder sie nicht fotografiert werden möchte sollen wir es trotzdem tun da wir dafür gezahlt haben. Sind wir im Zoo? Ich mochte mein Foto gar nicht mehr zücken sondern habe mich einfach nur noch unwohl gefühlt.
Zu diesem Zeitpunkt kam eine Diskussion unter uns auf. Viele Fragen wurden in den Raum geworfen. Ist es unmenschlich was wir gerade tun? Warum verhalten sich die anderen Touristen so….? Wie verändert die Dörfer der Besuch der Touristen, bringt es ihnen was oder geht ihre Kultur daran kaputt? Das Diskussionsthema kommt, jetzt noch, immer wieder aufs Neue auf und eine Antwort auf all die Fragen haben wir noch nicht gefunden.

Weitere Marktbesuche haben die Stimmung wieder gehoben. Ich liebe die großen farbenfrohen Plätze voller Menschen. Die Verkäufer sind erstaunt wenn man auf Amharisch anfängt mit ihnen um den Preis eines Gegenstandes zu verhandeln. Ich habe großen Spaß daran, mein Ziel immer ist es den Preis für Einheimische zu bekommen, damit war ich nun schon öfters erfolgreich.

Der krönende Abschluss unserer Tour war ein Boottrip auf dem See Chamo. Dort haben sich uns einige Nilpferde gezeigt und wir konnten Krokodilen beim Sonnen zuschauen. Erschreckend nahe sind wir an die Tiere herangeschippert. Diese haben sich von uns nicht stören lassen und weiter ihre offenen Münder in die Sonne gestreckt und dabei von Vögeln eine Zahnreinigung bekommen.

Mit all den unterschiedlichsten und neuen Eindrücken und Erlebnissen kamen wir erschöpft Daheim an. Die nächsten Tage und Nächte musste ich das Erlebte erst einmal verarbeiten.

Mälekam Gena – Fröhliche Weihnachten

So unterschiedlich die Länder und Kulturen sind in denen wir auf der ganze Welt verteilt leben, hat das Weihnachtsfest doch überall einiges gemeinsam.
Nicht nur die Tatsache dass viel gegessen wird, sondern auch der Grund, was und warum wir feiern.

Wir, hier in Äthiopien, haben am 07. Januar Weihnachten gefeiert.
Nicht ganz so verrückt wie in Europa, gab es hier den Weihnachtsschmuck „nur“ ein paar Wochen vor dem großen Fest zu kaufen.  Plastikbäume mit bunten Lichterketten und sehr farbenfrohen, glitzernden Kugeln sind hier der Renner.
Als wir ganz entsetzt unseren Plastikbaum im Schrank entdeckt haben, konnten unsere Kollegen gar nicht verstehen wieso er uns nicht gefällt. Denn sie waren der Meinung in Europa feiert jeder Weihnachten mit diesen Bäumchen.
Mihiret, Noelle und ich haben einige Tage vor dem großen Fest unseren Baum geschmückt und ein Lebkuchenhaus zusammengebaut.
Auch Weihnachtsgrippen gibt es hier, auf die afrikanische Art, zu kaufen.  Es ist beeindruckend wie unterschiedlich und doch gleich die Figuren sind.

Weihnachtsfeier im Kindergarten
Schon einige Wochen vor der Weihnachtsfeier haben die Vorbereitungen im Kindergarten begonnen.
Wer spielt beim Krippenspiel mit, was wird gesungen, wer möchte eine kurze Geschichte erzählen,….
Fast jeder wollte eine wichtige Rolle übernehmen, um allen zeigen zu können war er/sie kann.
Gemeinsam haben wir dann ein zweistündiges Programm auf die Beine gestellt.
Am Tag vor der Feier, konnte ich meinen Wunsch in die Tat umsetzten. Wir haben mit den 21 Kindergartenkindern Plätzchen gebacken.
Einige wussten nicht so recht was sie davon halten sollen und waren mehr am Essen der Deko interessiert als am Verzieren der Plätzchen. Andere haben übereifrig mit angepackt und nachher waren die Streusel auf dem Plätzchen dicker als der Teig. Somit sind Bunte, süße und lustige Kreationen entstanden.
Am Freitagmorgen vor Weihnachten haben wir die Mütter und Väter unserer Kindergartenkinder auf den Compound eingeladen um gemeinsam das  Weihnachtsfest zu feiern.
Die Kleinen hatten ihre beste Kleidung an und waren total herausgeputzt. Jedes Kind hat seine eigene Krone bekommen auf der Merry Christmas  stand und alle haben bis hinter beide Ohren gestrahlt (Fotos dazu könnt ihr auf der Seite Bilder sehen). Für einen Fremden hat dieses Fest wohl eher wie ein Kindergeburtstag und nicht wie eine Weihnachtsfeier ausgesehen. Doch die Hauptsache ist, dass alle glücklich waren.
Mit Liedern, einem Krippenspiel, und anderen erlernten Dingen konnten die Kinder ihre Familien unterhalten und zum Lachen bringen.  Die Einen waren ganz stolz ihr erlerntes endlich vortragen zu können und manch anderen, sonst eher vorlauten Jungs, hat es vor all den Erwachsenen dann doch die Sprache verschlagen.
Zu einem Fest in Äthiopien gehört immer eine Coffeeceremony mit Popcorn und Brot. Auch dass hatten wir für den heutigen Tag möglich gemacht. Zur Freude der Kinder gab es dazu Softdrinks, Plätzchen, Bananen und Orangen.
Am Schluss unserer Veranstaltung hat jedes Kind etwas geschenkt bekommen. Kindergartenrucksäcke in den verschiedensten Varianten, Unterwäsche und Socken.
Zu guter Letzt konnten die Mädchen und Jungen begeistert ihre selbstgebackenen Kekse den Eltern zum Probieren geben und durften selbst welche mit nachhause nehmen.

Nun gingen auch für uns die Vorbereitungen für unser kleines Weihnachtsfest los.
Nach der langen Fastenzeit sollte es morgen ein Festessen geben. Als ich abends nach Hause kam spazierte ein Hahn munter durch unsere Küche.
Wie in Deutschland hatte man das Gefühl, dass alle Menschen auf der Straße sind um ihr Weihnachtsessen zu verkaufen.
Ziegen, Hühner und Ochsen gab es überall zu kaufen, sowie große Mengen von Gras.
Jeder, egal wie arm oder reich, spart auf die großen Feste im Jahr. Sodass eine Ziege, ein Hahn oder ein ganzer Ochse gekauft werden kann. Das Gras ist das Symbol für einen besonderen Tag und wir im ganzen  Haus auf dem Boden verstreut.
Die Preise für Tierprodukte sind in der letzten Woche angestiegen. Da die Orthodoxen ab Weihnachten für einen längeren Zeitraum nicht mehr fasten.

Freitagabend begannen wir zu kochen. Drei Kilo Zwiebeln und eine Menge Knoblauch mussten geschnitten, Injera und ein Kuchen gebacken werden.
Um 23.30 Uhr haben Mihiret und ich eine kurze Pause eingelegt und sind gemeinsam (für mich das erste Mal) in die orthodoxe Kirche gegangen.
Der Gottesdienst geht eigentlich sechs Stunden, doch es ist kein Muss die ganze Zeit dort zu sein. Der Sänger/ Prediger spricht durch den Lautsprecher, sodass man ihn auch Zuhause hören kann.
Ein weißes Tuch muss über dem Kopf und Oberkörper getragen werden und bei Eintritt der Kirche werden die Schuhe ausgezogen.
Es war beeindruckend in der Kirche alle Menschen gehüllt in weiß zu sehen. Mit dumpfen Trommeln und Rasseln haben die Männer tolle Rhythmen und Tänze vorgeführt.  Auch wenn ich nichts verstehen könnte war es schön an diesem besonderen Gottesdienst mit dabei zu sein.

Zurück im CCA haben Mihiret und ich uns für ein kleines Schläfchen entschieden, da der Hahn erst nach Ende des Gottesdienstes (ca. gegen 03.00 Uhr eu. Z.) geschlachtet werden darf.
Dies ist nur einem Mann erlaubt und der Kopf des Tiers darf erst am Ende, nachdem das Tier gerupft und gewaschen ist, entfernt werden.
Markus unser Nachtguard hat sich strahlend der Aufgabe des Töten dieses Tieres gewidmet. Das ist hier ganz normal fast niemand hat ein Problem dies mit anzusehen. Ich bin doch besser auf Sicherheitsabstand gegangen und erst wieder aufgetaucht als Markus fertig war.
Die Zubereitung des Tieres nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Bis die Fleischstücke fertig für den Kochtopf sind dauert es mindestens 3 Stunden.  Mit geübten Handgriffen hat Mihiret all die nötigen Schritte durchgeführt und nach Sonnenaufgang das Fleisch in den Kochtopf geschmissen.
Das daraus entstandene Gericht nennt sich Doro Wot (Hühner Soße), wird mit Inerja gegessen und schmeckt sehr lecker.
Schon zum Frühstück waren wir bei einer Kollegin eingeladen. Dass wir dort auch gleich Huhn und Ziege serviert bekommen, hätte ich nicht gedacht.
Unser Weihnachtsessen danach haben wir (auf meinen Wunsch) im Garten zwischen Palmen und Weihnachtsbaum, gemeinsam mit dem Guard und zwei Freundinnen, verzehrt.

Danach ging es auf zu Mihirets Schwester, die uns zu sich eingeladen hatte. Die Familie ist sehr groß, daher war das Haus voller Leute.  Der Tag ist ganz und gar nicht mit unserem Weihnachtsfest zu vergleichen.
Die ganze Familie, egal ob alt oder jung, groß oder klein, hat zusammen getanzt. Mit Hilfe der Anderen geben wir uns jedes Mal große Mühe den äthiopischen Tanzstil zu erlernen.  Es macht Spaß und trägt zur Belustigung aller bei.  Mein „Tanzlehrer“ ist der jüngste der Familie, er schafft es alle unter den Tisch zu tanzen.
Um auch etwas zu der Gestaltung des Abends beizutragen haben Maya und ich ein wenig Musik mit der Gitarre gemacht und dazu gesungen.
Wir hatten ein unvergessliches Weihnachtsfest auf eine ganz andere Art und Weise.
Genau das Gegenteil unserer besinnlichen Festtage.

Mein deutsch – äthiopisches Geburtstagsfest

Etwas traurig bin ich am Samstagmorgen aufgewacht, mit dem Gedanken meinen 20. Geburtstag ohne meine Freunde und Familie in Deutschland zu feiern.
Doch es war nicht lange Zeit traurig zu sein. Die ersten Geburtstagsnachrichten, aus aller Welt, trafen bei mir ein und haben mir das Aufstehen versüßt.
Nach einem gemeinsamen Frühstück mit Noelle, Mihiret unserem Adventskranz toller Geburtstagspost und ein paar Geschenken war ich doch schon positiver auf den Tag eigestimmt.

Zu Feier des Tages haben die ca. 30 CCA Kids (welche jeden Samstag auf den Gelände sind) ein paar Kekse von mir bekommen und wir haben (zur Freude aller) nicht mit der Englisch- und Mathestunde begonnen.

Nach einem langen, sehr schönen Telefonat mit meiner ganzen Familie, habe ich mich auf meine Geburtstagsgäste vorbereitet. Unser Guard half die Stühle und den Tisch schön herzurichten und hat mir liebevoll einen tollen Blumenstrauß zusammengestellt. Noelle und Mihiret haben sich um das Rösten und Mahlen der Kaffeebohnen gekümmert und Mihirets Schwester hat mir ein besonderes Brot gebacken.

Nachdem die Kuchen, das Kaffeepulver und das Popcorn fertig waren konnte es losgehen.

All meine Arbeitskollegen/innen und Freunde hatten sich für mich Zeit genommen und sind, toll gekleidet ins CCA gekommen. Um das „Fest zu eröffnen“ (nach äthiopischer Tradition),  musste ich das große Runde Brot anschneiden und meine Geburtstagskerzen anzünden. Während dessen wurde  geklatscht und Happy birthday gesungen. Meisterin im Anschneiden und Anzünden bin ich nicht, doch alle haben geduldig weiter und weiter gesungen bis ich fertig war. Da hier Melodie und Text des Liedes beliebig variiert wird, wäre es für sie kein Problem gewesen endlos weiter zu singen.
Nachdem das Brot angeschnitten war und die Kerzen brannten durfte ich diese, auf unsere Art und Weise auch gleich wieder ausblasen und mir dabei etwas wünschen.
Ich dachte schon, puh geschafft schnell hinsetzten, doch das war noch lang nicht alles. Nun wurde mir ein Geschenk, von allen zusammen, übergeben. Dass ich zuerst die Karte lesen wollte, welche mit überreicht wurde, konnten meine äthiopischen Gäste gar nicht verstehen, und haben mir das gleich deutlich gemacht.
Ok, Karte schnell zur Seite und das Geschenk aufmachen, so schnell wie möglich.
Ein wunderschönes traditionelles Oberteil kam heraus mit passender Kette und Ohrringe. Ich war begeistert und hab natürlich alles gleich angezogen.
Jetzt konnte die Feier beginnen.
Hier ist es nicht so, dass sich jeder ein Stück Kuchen oder Brot nimmt (seiner Lust und seinem Hunger entsprechend) sondern, dass jeder einen Teller gerichtet bekommt auf dem von all dem was angeboten wird etwas zu finden ist.  Nach kurzer Zeit waren schon alle (außer wir weißen) fertig und die Musik wurde laut aufgedreht. Ich weiß nicht wie sie ihre Teller so schnell leeren können, meiner war auch nach zwei Stunden noch nicht leer.
Von der ältesten bis zur jüngsten haben alle miteinander gelacht, geklatscht und getanzt. Es wurden total viele Fotos geschossen und kurze Videos gedreht.
So zusammen feiern zu können war toll. Die Eine, welche sonst eher zurückhaltend ist hat plötzlich gelacht und getanzt, die älteste unter uns hat sich vom jüngsten  zum Schultertanz (traditionelle , echt anstrengende Tanzart) herausfordern lassen und auch Mihiret hat mit ihren Tanzkünsten jeden beeindruckt. So haben wir gemeinsam gefeiert bis die Sonne unterging.

Nach zwei weiteren tollen Geburtstagsanrufen aus Deutschland, machten wir deutschen und Mihiret uns auf den Weg in die Nachtwelt.
Gut gelaunt quetschten wir uns zu siebt in ein Taxi und konnten einen super Preis aushandeln. Am Ziel angelangt war alles dunkel und für die nächsten zwei Stunden sollte sich das auch nicht ändern. Die Energieversorgung war unterbrochen und das ganze Gebiet lahm gelegt.  Doch so schnell gab keiner auf.
Geduldig haben wir uns die Zeit vertrieben und da, endlich, die Energie ist zurück.
Jetzt konnte unserem Nachtprogramm nichts mehr im Wege stehen.

Erlebnisreiche Tage

Das erste Adventswochenende brachte zwei große Ereignisse mit sich. Am Samstag fand der alljährlichen Weihnachtsmarkt statt, den die deutsche Gemeinde zu Gunsten der German Church School veranstaltet und welcher etwas Weihnachtsstimmung in das warme Addis bringt.

Christmas bazar
Als ich früh am Samstagmorgen auf dem Gelände der deutschen Gemeinde ankam, waren viele schon tatkräftig bei der Arbeit. Tische wurden platziert, Namensschilder verteilt und Kisten ausgepackt.
Ich durfte mich, am Tombola Stand, einer angenehmen Arbeit widmen. Gemeinsam mit zwei Äthiopiern der German Church School, haben wir die Preise für unseren Stand nach Nummern sortiert und aufgestellt. Es kamen lauter tolle Dinge zum Vorschein, welche Erinnerungen an die Kindheit hervorgerufen haben. Die Lust selbst sein Glück beim Loseangeln zu versuchen kam da gleich mit auf.

Schon kurz nach der Eröffnungsrede um 11.00 Uhr waren jung und alt um unseren Stand versammelt. Wir hatten alle Hände voll zu tun um den Überblick nicht zu verlieren. Die Kleinen konnten es kaum erwarten an der Reihe zu sein, ein Los aus der großen Schale zu angeln um sich gleich darauf eines der tollen Geschenke abzuholen.
Da bei uns jedes Los ein Gewinn war,  gab es viele Erwachsene die die Kindertombola der Erwachsenentombola vorzogen. Konnte der Ein oder Andere nicht das „richtige“ Los zum erwarteten Geschenk angeln wurde sich einfach wieder hinten an die Schlange gestellt und ein neuer Versuch gestartet und noch einer, und noch einer, ….
Das große Interesse hatte zur Folge dass wir als erster Stand des Marktes um 12.00 Uhr alle unsere Lose verschenkt hatten und zusammenräumen konnten.
Nach getaner Arbeit hatte auch ich Zeit mir all die tollen Stände anzuschauen.
Es herrschte eine bunte Mischung an Angeboten: Von Glühwein über Bratwurst, Adventskränzen, deutschem Weihnachtsgebäck und den verschiedensten Angeboten einheimischer, handgemachter Produkte.
Trotz schlechtem und kalten Wetter (welches an einen deutschen Weihnachtsmarkt erinnert hat) herrschte großer Besucherandrang und bis kurz vor 17.00 Uhr (dem Ende) tummelten sich auf dem Gelände Menschen der verschiedensten Nationen.

The Gerat run of Ethiopia 2011

Auch am Sonntag war frühes Aufstehen angesagt. Um 9.00 Uhr knallte der Startschuss für die über 36.000 Menschen die am bekanntesten 10 Kilometerlauf in Äthiopien teilgenommen haben.
Auch wir waren ein Teil davon. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl mit all den Menschen los zu laufen. 36.000 T-Shirts wurden für den Run, welcher jedes Jahr von Haile Selassi veranstaltet wird, produziert und verkauft. Wer ein T-Shirt trägt bekommt eine Medaille beim Erreichen des Ziels. Menschen aus aller Welt kommen für dieses Ereignis nach Addis Abeba um daran Teil nehmen zu können.
„Dabei sein ist alles!“:, sagen sich die Äthiopier und es nehmen auch die Menschen am Lauf teil, welche sich kein T-Shirt leisten können oder beim Verkauf zu langsam waren.
Diese Riesenveranstaltung hat mich an einen Fastnachtsumzug erinnert. Rechts und links entlang der Laufstrecke waren verschiedene Musikstation aufgebaut. Sogar ein paar Livemusikanten waren zu sehen und zu hören. Davor wurde die Laufstrecke zur Tanzfläche und die Hüften geschwungen.
Es war bewegend zu sehen, dass jung und alt, groß und klein, dick und dünn, blinde und gehbehinderte Menschen an diesem spektakulären Ereignis teilnehmen.
Da rennt ein junger Mann und schiebt eine alte Frau im Rollstuhl vor sich her.
Hier eine verkleidete Gruppe, die die ganzen 10 Kilometer einen Schlachtruf von sich gibt und die Anderen beängstigt zur Seite weichen lässt.
Dort stützen zwei Andere einen alten Mann der selbst kaum laufen kann.
Wiederum Andere tragen Perücken, sind geschminkt oder haben sich ihr Great Run T-Shirt zu tollen Tops umgenäht.
Um all die begeisterten Menschen, an dem richtig heißen Tag, etwas abzukühlen waren entlang der Strecke verschiedene Stationen aufgebaut bei denen man gewollt oder ungewollt geduscht wurde – ein großer Spaß für jeden.
Auch für Trinken war gesorgt. Ganze Lastwägen, voll mit Plastikbeuteln, die mit Wasser gefüllt waren, standen am Rad der Straße. Es wurden durchgehend Beutel in die Menge geworfen. An diesen Plätzen sammelten sich große Menschenmassen um ihren Durst zu stillen oder einfach von etwas Wasser bespritz zu werden.

Wir waren mit ein paar Arbeitskollegen unterwegs und kamen alle glücklich im Ziel an.
Ich habe im Voraus alles versucht um an ein T-Shirt für den Run zu kommen (was sich als nicht unkompliziert erwiesen hat). Schon in Deutschland war es ein großer Wunsch von mir daran teil zu nehmen. Ich bin dankbar dafür, dass meine Kollegen und Freunde mir geholfen haben dies möglich zu machen und ich eine von den tausenden, glücklichen Teilnehmern sein durfte.